Automatisierung im ÖPNV senkt Kosten und erhöht Attraktivität
2. April 2026
Der öffentliche Personennahverkehr bildet ein wichtiges Rückgrat der Mobilität in Deutschland (Symbolbild) Credit:

Die DLR-Verkehrsforschung fordert in einem Whitepaper mehr Modellregionen und Reallabore für den automatisierten Straßen- und Schienenverkehr.Automatisierte Busse, On-Demand-Shuttle und Schienentaxis könnten die Betriebskosten erheblich senken und das Angebot wesentlich attraktiver machen.Automatisierung kann außerdem dazu beitragen, den zunehmenden Mangel an Fahrpersonal und die schlechte Anbindung ländlicher Regionen zu verbessern.Schwerpunkte: Verkehr, Straßenverkehr, Schienenverkehr, ÖPNV, automatisiertes und vernetztes Fahren

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Die Anforderungen an Flexibilität und Verfügbarkeit steigen. Gleichzeitig gilt es, ambitionierte Klimaziele zu erfüllen und einen deutlich zunehmenden Mangel an Fahrpersonal aufzufangen. Die Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigt in einem Whitepaper, wie die Automatisierung auf Straße und Schiene den ÖPNV wesentlich attraktiver und günstiger machen kann. Dazu hat das DLR technologische Entwicklungen und wirtschaftliche Effekte untersucht, die entstehen, wenn mit automatisierten Fahrzeugen sowohl das ÖPNV-Netz als auch das Mobilitätsangebot erheblich erweitert würden. Darauf aufbauend formuliert die DLR-Studie Handlungsempfehlungen für die kommenden fünf bis zehn Jahre.

„Für einen schnellen Transfer in die Praxis müssen wir jetzt Modellregionen und Reallabore ausbauen und die regulatorischen Rahmenbedingungen so modernisieren, dass sie eine schnellere Zulassung ermöglichen“, sagt Prof. Meike Jipp, Bereichsvorständin für Energie und Verkehr des DLR. „Unser Ziel muss ein ÖPNV sein, der eine hohe Qualität hat und langfristig finanzierbar ist. Nur so kann der ÖPNV ein tragender Bestandteil eines zukunftsweisenden und effizienten Verkehrssystems sein.“

Automatisierung als wichtiger Lösungsansatz

Eine zentrale Aussage der Studie: Automatisierung wird in naher Zukunft zu einem entscheidenden Baustein für ein stabiles und leistungsfähiges Verkehrssystem. Besonders im ländlichen Raum kann sie helfen, das Angebot zu sichern und auszubauen. Denn dort erschweren bisher hohe Betriebskosten und eine tageszeitlich oft sehr schwankende Nachfrage einen klassischen Linienverkehr mit festen Fahrplänen.

Schiene und Straße geschickt kombinieren

Großes Potenzial sehen die Forschenden des DLR auch in der Kombination von automatisiertem Schienen- und Straßenverkehr. Automatisierte Schienenfahrzeuge – etwa Konzepte wie ein On-Demand-Schienentaxi – könnten stillgelegte Nebenstrecken im ländlichen Raum wieder nutzbar machen. „Ergänzt durch autonome Shuttle-Dienste auf der Straße entstünde ein integriertes System aus Zubringerverkehr und leistungsfähiger Schiene als schnelle Verbindung auf Hauptachsen“, erläutert Meike Jipp.

Signifikant geringere Betriebskosten und neue Berufsfelder

Die Berechnungen des DLR haben ergeben, dass sich durch Automatisierung bis zu 33 Prozent der Betriebskosten im Schienenverkehr und mehr als 50 Prozent im straßengebundenen On-Demand-Verkehr einsparen ließen. Gleichzeitig entstehen durch die Automatisierung neue Tätigkeitsfelder und Berufe, zum Beispiel in Teleoperation von Fahrzeugen, der Wartung oder im Software-Betrieb.

ÖPNV als Teil eines Mobilitätsnetzes stärken

Neben den betriebswirtschaftlichen Effekten, die den ÖPNV als wesentlichen Bestandteil unseres multimodalen Verkehrssystems stärken, sehen die Forschenden auch positive Auswirkungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland: So könnten automatisierte Verkehrssysteme die Attraktivität des ländlichen Raums stärken und gleichzeitig vielversprechende Technologie-Märkte für deutsche Unternehmen eröffnen.

PM:DLR

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