Wohnhäuser jetzt vor Waschbären schützen

Da die Hauptaufzuchtzeit von Waschbären am 1. März beginnt, haben Hauseigentümer jetzt noch Möglichkeiten, sich gegen den Einzug unliebsamer Mitbewohner zu wappnen. Bis dahin ist möglich, Bäume und Sträucher über den Jahreszuwachs hinaus zurückzuschneiden. Eine der Maßnahmen, den Aufstieg aufs Dach zu verhindern.
Die Tiere nutzen Dachböden oder Kaminschächte als Schlaf- und Wurfplätze beziehungsweise Winterlager. Der Aufstieg auf das Dach erfolgt meist über Fallrohre der Regenrinnen, angrenzende Bäume oder eine Fassadenbegrünung. Über lockere Dachziegel oder andere Einschlupflöcher erfolgt dann der Einstieg in den Dachboden.
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Aktuell suchen die weiblichen Tiere Wurfplätze. Durch die Spielaktivitäten der Welpen und die Anlage von Latrinen können bis zum Verlassen der Wurfhöhlen nach acht bis zehn Wochen kostspielige Schäden am Haus entstehen. Es ist um einiges günstiger, das Haus einmal fachkundig gegen Einstieg sichern zu lassen, als die Tiere jagdlich beseitigen zu lassen und nachher die Schäden zu sanieren. Ein einmal bekannter Schlaf- oder Wurfplatz wird nach dem Verlassen in Windeseile von anderen Artgenossen aufgesucht und erneut genutzt. Amtstierärztin Dr. Regina Emrich rät: „Die vermeintlich schnelle Lösung ist daher nicht ratsam, langfristig teurer und vor allem nicht nachhaltig. Treffen Sie daher jetzt noch Vorkehrungen, um nicht das Nachsehen zu haben.“
Wichtig ist auch das Nahrungsmittelangebot für Waschbären zu reduzieren. Das sichere Verschließen der Deckel von Abfallbehältern beispielsweise mit dem Schloss der Stadtreiniger oder die Verwendung von geschlossenen Mülltonnenschränken hilft. Wer Katzenfutter vor die Tür stellt oder Essensreste auf dem Komposthaufen entsorgt, lockt dagegen den Waschbären als regelmäßigen Besucher an.
Um die breite Öffentlichkeit auf dieses Thema aufmerksam zu machen wird im Laufe des Februars eine appellierende Plakataktion von der Stadt veröffentlicht.
Folgende Maßnahmen zeigen zuverlässig Wirkung
- Den Aufstieg auf das Dach durch glatte Blechmanschetten (einen Meter hoch und einen Meter breit) oder mit „Dreivierteltrichtern“ aus Metall über den Fallrohren der Regenrinnen und an Hausecken verhindern. Handelsübliche Katzenkränze, Baumspiralen oder Stacheldraht sind bessere Kletterhilfen für die Tiere und damit ungeeignet. Ein Aufstiegsschutz funktioniert auch, wenn die Tiere das Haus bereits nutzen, da sie absteigen können, aber nicht wieder hinaufgelangen.
- Bäume und Sträucher, die an- oder über das Dach reichen, großzügig einkürzen. Zu beachten ist dabei, dass es in der Zeit vom 1. März bis 30. September verboten ist, Hecken und Sträucher über den Jahreszuwachs zurück zu schneiden, zu roden oder auf den Stock zu setzen
- Einstiege konsequent und mit soliden Baumaterialien schließen.
- Ein starkes Metallgitter auf dem Schornstein anbringen.
- Bei einem schwer zu sicherndem Haus kann eine Elektrozaunanlage (Prinzip „Weidezaun“) im Bereich der Dachtraufe installiert werden
- Nachts die Katzenklappen verschließen oder ein Modell wählen, das nur die eigene Katze mittels Sensors öffnen kann. Gut ist auch ein Vorbau, der nicht kletternd, sondern nur springend überwunden werden kann. Denn das kann der Waschbär nicht.
Fachfirmen mit zum Teil patentierten Systemen können Hausbesitzende kompetent beraten und Unterstützung leisten.
Jäger benötigen Schießgenehmigungen für das Stadtgebiet
Obwohl es sich bei den Waschbären um jagdbares Wild handelt, wird die intensive Bejagung nicht als wirksames Mittel zur Eindämmung der Population oder gar der Reduzierung gesehen. Zudem sind die jagdlichen Mittel im urbanen Raum begrenzt. Einzelne Schießgenehmigungen für das Stadtgebiet wurden mit Auflagen an Jagdausübungsberechtigte erteilt. Das Fangen und Töten von Waschbären sind nur in besonders gelagerten Einzelfällen sinnvoll.
Entscheidung über Fortführung des Waschbärprojekts steht noch aus
Um die Waschbärpopulation nachhaltig einzudämmen setzt die Stadt Kassel auf ein Sterilisationsprojekt des Bundesverbands der Wildtierhilfen. Fachkundige Personen fangen und sterilisieren die Tiere beider Geschlechter unter wissenschaftlicher Begleitung. Es soll zur Anwendung kommen, was bei vielen anderen freilebenden Tierarten auf der ganzen Welt funktioniert. Das vielversprechende Projekt, welches ohne staatliche Mittel auskommt, musste jedoch letztes Jahr pausiert werden, da sich die Zuständigkeiten für die behördliche Genehmigung geändert hatten. Seitdem warten Stadt und Bundesverband auf die Entscheidung des Regierungspräsidiums Kassel, welches aktuell für die Genehmigung zuständig ist.
Hintergrund
Eine unsachgemäße Tötung von Waschbären oder das Zufügen von vermeidbaren Schmerzen, Leiden oder Schäden ist nach dem Tierschutzgesetz verboten und strafbar. Weiterhin ist das aktive oder passive Füttern verboten und kann mit Bußgeld geahndet werden.



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