Kassels ältester aktiver Karnevalsvereinhat Jubiläum 14.10.26
„Pääreschwänze“ begehen närrische 7×11 Jahre
Kassels ältester aktiver Karnevalsverein hat Jubiläum
KASSEL (14.10.26). Die Karnevalgesellschaft „Die Pääreschwänze“ feiert im Oktober 2026 ihr 77-jähriges Bestehen. Das entspricht siebenmal der närrischen Zahl 11 – ein Grund zum Feiern für den traditionsreichen Kasseler Verein. „Als nunmehr ältester, aktiver Kasseler Karnevalsverein bilden wir eine wichtige Stütze des Karnevals in Kassel“, so Klaus Bruchhäuser, Vorsitzender der „Pääreschwänze“. Mit ihren über 100 Aktiven vor, auf und hinter der Bühne habe der Verein eine Vereinskultur geschaffen, die mit viel Charme, Witz sowie sozialem Engagement begeistert. „Ein solches Jubiläum kommt nicht von ungefähr. Es braucht engagierte Mitglieder, Zusammenhalt, Leidenschaft und viel Herzblut. Auch in schwierigen Zeiten habt ihr euch den Herausforderungen gestellt und euern Verein mit Leben erfüllt“, so Lars Reiße, Präsident der „Gemeinschaft Kasseler Karnevalgesellschaften“. Darauf könne der Verein mit Recht stolz sein.
Bereits im Jahre 1948 fanden sich einige Sänger aus Rothenditmold zusammen, die bereit waren, karnevalistisches Treiben innerhalb des Gesangsvereins zu veranstalten. Unter dem Namen „Elferrat Die Pääreschwänze“ wurden interne Veranstaltungen durchgeführt. Man fand schließlich so viel Gefallen an dem fröhlichen Tun, dass man sich unter dem Namen „Karnevalgesellschaft Kassel 1949 Die Pääreschwänze“ zu einem eigenen Verein zusammenschloss. „Es verwundert einerseits, dass sich die Menschen in der Nachkriegszeit für Karneval interessierten, andererseits ist das ein Zeichen dafür, dass man auch da den Blick erwartungsvoll in die Zukunft gerichtet hat“, so der heutige Vorsitzende Klaus Bruchhäuser.
„Pääreschwänze“ war als Name deshalb gewählt worden, weil so die Bewohner Rothenditmolds genannt wurden. Zahlreiche Pferde und Stallungen vor den Toren Kassels hatten diese Bezeichnung geprägt. Damit war die erste reine Karnevalgesellschaft in Kassel geboren. Unter dem Vorsitz und der Präsidentschaft von Robert Knörzer fanden die ersten Veranstaltungen im Saal der Jutespinnerei statt.

1953 wurde der Verein Mitglied im Bund Deutscher Karneval. Viele Veranstaltungen innerhalb und außerhalb Kassels wurden mit Erfolg und sehr guter Resonanz durchgeführt. „Unvergessen sind die großen Veranstaltungen für die Gewerkschaft der Polizei in der Stadthalle oder die karnevalistischen Sitzungen in der Wandelhalle von Bad Wildungen. 1958 gründeten die mittlerweile existierenden drei Kasseler Karnevalsgesellschaften den „Bund Kasseler Karnevalgesellschaften“, aus dem die heutige „Gemeinschaft Kasseler Karnevalsgesellschaften“ hervorging. Auch an der Gründung des „Karneval-Verbandes Kurhessen“ war man 1972 maßgeblich beteiligt und stellte mit Karl-Heinz Fähling dessen ersten Vorsitzenden.
Auftritte in ganz Deutschland
Mit der Eröffnung des Philipp-Scheidemann-Hauses als erstem Bürgerhaus der Stadt wurde 1961 der Vereinssitz dorthin verlegt. Die öffentlichen Veranstaltungen im Festsaal erfreuten sich stetig steigender Besucherzahlen und waren stets ausverkauft. Legendär ist eine eigens eingebaute Rutsche, mit der man vom Festsaal direkt an eine Bar gelangen konnte. Es folgten Jahre mit spektakulären Einsätzen im In- und Ausland. Stellvertretend seien Auftritte in Wiesbaden, Oggersheim, Ludwigshafen, Hagen, Bad Vilbel, Rudolstadt und Neuwied genannt. Über die Grenzen hinaus bestehen und bestanden Verbindungen nach Salzburg, Nancy, Toronto, Gloucester und Mulhouse.
Im Bereich des Tanzsportes gehört das Erreichen der Endrunde in der Kieler Ostseehalle zu den Höhepunkten. 1974 gehörte man damit zu den 16 besten Karnevalsgesellschaften. Heute pflegt man zwar eine intensive Jugendarbeit mit Tanzpaaren, Garden und Tanzmariechen, verzichtet derzeit aber auf die Teilnahme an Wettkämpfen.
Drei Prinzenpaare stellte der Verein in den letzten Jahrzehnten. 1993/94 war dies Prinz „Rüdiger I“ alias Rüdiger Wilde und Viola Bandelow, 2005/06 Prinz „Lothar I“ (Lothar und Sabine Delhaes) und 2015/16 Michael und Monika Vaupel mit Prinz „Michael III“. Der Verein legte außerdem Wert darauf, weiterhin einen Elferrat zu berufen und bei den Eröffnungssitzungen auch auf, bzw. neben der Bühne zu präsentieren. Zu diesem Elferrat gehören in den letzten Jahren auch Frauen, allen voran die erste Präsidentin Michaela Sander.
Eine weitere Besonderheit: Mit dem „Ehrenorden der Ehrensenatoren“ wird regelmäßig gesellschaftliches Engagement der Mitglieder geehrt. Geehrt wurden etwa Melina Momberg 2017 dafür, dass sie bei einer Schlägerei vor der Eissporthalle einem Verletzten half, oder Kassiererin Jutta Bachmann, die sich als Ortsvorsteherin engagiert.
Stars bereichern Proogramm
Mit der „Kostümparty“ bzw. dem „Kostümball“ ging der Verein neue Wege. Rund um die „tollen Tage“ präsentiert man seit den 2010er Jahren keine klassische Sitzung mehr – diese findet zur Eröffnung im November statt. Stattdessen stehen ausgewählte Show-Programmpunkte der Aktiven, Partymusik und gelegentlich auch Gaststars auf dem Programm. Mit dabei waren schon: Olli Olé, Dark Vatter, Jeffrey Staten, Reiner Irrsinn Show und Natascha Lefert, bekannt aus „Deutschland sucht den Superstar 2017“. Besonders in Erinnerung ist allerdings der Auftritt von Schlagerlegende Chris Roberts im Jahr 2017. Der Auftritt war für den Verein organisatorisch wie finanziell eine echte Kraftanstrengung und bescherte ihm eine ausverkaufte Ernst-Freudenthal-Halle im Stadtteil Wolfsanger.
Eng mit dem Verein verbunden sind besonders beliebte Schautänze, wie etwa „Grease“, der unter anderem 2012 in der ausverkauften Stadthalle beim „Ball des Sports“ aufgeführt wurde. Ebenso erfolgreich und über Jahre auf vielen Bühnen zu sehen war der Schautanz „Mozart!“ des Männerballetts „Die Tranfunzeln“. „The greatest Show“ wurde 2023 auch beim Neujahrsempfang der Stadt Kassel im FlicFlac-Zelt gezeigt. Dort sah man auch Marcus Leitschuh als FulleFischer. Zum 55. Vereinsjubiläum trat Leitschuh erstmals 2004 in dieser Rolle auf. Noch heute steht er in denselben Gummistiefeln auf der Bühne. Durch zahlreiche Fernsehauftritte machte er die „Pääreschwänze“ auch einem großen Publikum bekannt. 2001 hatte ihn der damalige Präsident Dieter Wilde als Doppelbüttenredner in den Verein geholt. Die Landtagsabgeordnete Esther Kalveram tritt seit Jahren als „Superwoman“ in die Bett. Prominent war auch ein Tänzer: Oberbürgermeister Christian Geselle tanzte über Jahre im Verein mit, etwa als „Lucky Luke“.
Kreativ in der Coronazeit
2021 hielten die Pääreschwänze trotz ausgefallener Veranstaltungen durch Videos, persönliche Ordensbesuche und einen Herings-Bringdienst an Gartenzaun oder Haustür Kontakt zu ihren Mitgliedern. Die hessenschau berichtete darüber am Aschermittwoch. Im Frühjahr 2022 fand das Ordensfest auf dem Gelände der „Sportfreunde Fasanenhof“ statt. Diese Open-Air-Tradition setzte der kreative Verein mit einem Frühlingsfest im Mai fort. Was als Ersatz für die ausgefallene Saalsession gedacht war, wird seitdem als „Open-Air-Fest“ im Sommer fortgesetzt und bietet neben einem Kinderfest für den Stadtteil Fasanenhof auch abends ein Unterhaltungsprogramm auf großer Bühne. Zu den Höhepunkten zählte dort 2024 der Benefizauftritt der Combo des Heeresmusikkorps Kassel.
2020 verstarb der langjährige Präsident und Ehrenvorsitzende Leif Honisch, der sich ab 1988 als Vizepräsident engagiert und den Verein um die Jahrtausendwende maßgeblich prägte. Klaus Bruchhäuser ist seit 2014 Vorsitzender. Er war zudem 10 Jahre lang als Vizepräsident im Präsidium der Gemeinschaft Kasseler Karneval-Gesellschaften (GKK) aktiv und wurde 2025 zum Ehrenvizepräsidenten ernannt. Mit Bruchhäuser ist die Öffnung des Vereins in den Stadtteil und zu anderen Vereinen verbunden. Viele der wöchentlichen Treffen und Trainingseinheiten finden in den Räumen der „Sportfreunde 75 Fasanenhof“ statt. „Mit Eurem Einsatz bereichert Ihr nicht nur die Karnevalstradition, sondern auch das gesellschaftliche Leben unserer Stadt“, stellt Harald Bachmann, Vorsitzender der Sportfreunde, deshalb heraus.
Weiterhin gibt es eine intensive Zusammenarbeit mit dem „ACT Kassel“. „Ob bei Festen und Veranstaltungen, bei der gemeinsamen Nutzung von Hallenzeiten und Räumlichkeiten oder ganz einfach bei der Belebung unseres Vereinslebens – Kooperation schafft Möglichkeiten, von denen beide Seiten profitieren. Sie bringt Menschen zusammen, schafft Begegnungen. Gerade in einer Zeit, in der Vereine vor immer größeren organisatorischen und gesellschaftlichen Herausforderungen stehen, halte ich solche Partnerschaften für besonders wertvoll“, so Cedric Toth, Vorsitzender des ACT Kassel in der Vereinsfestschrift.
Oberbürgermeister und Ministerpräsident würdigen Verein
In der Jubiläumsfestschrift finden sich zahlreiche Grußworte. „Seit 7 x 11 Jahren sind die Pääreschwänze ein fester Teil des Kasseler Fastnachtstreibens und leisten so einen wichtigen Beitrag dazu, dieses bedeutende Erbe zu bewahren. All das wäre nicht möglich ohne die vielen Menschen, die sich mit Begeisterung und Herzblut dafür einsetzen. Ihr ehrenamtlicher Einsatz macht unsere Gesellschaft menschlicher und lebenswerter“, so Boris Rhein, Hessischer Ministerpräsident. Regierungspräsident Mark Weinmeister gratuliert ebenfalls. „Auch in unserer heutigen digitalen und schnelllebigen Zeit bleibt die fünfte Jahreszeit ein wichtiger Anker für Gemeinschaft und persönliche Begegnung. Hinter jeder Veranstaltung, jedem Auftritt und jedem Orden stehen viele helfende Hände, kreative Köpfe und Menschen, die ihre Freizeit investieren, um andere zum Lachen zu bringen.“
Oberbürgermeister Dr. Sven Schoeller betont, dass es der Verein verstehe „Tradition und Zukunft miteinander zu verbinden. Die Nachwuchsarbeit mit Kindern und Jugendlichen, die vielfältigen Tanzgruppen und das soziale Engagement zeigen: Dieser Verein feiert nicht nur für sich selbst, sondern übernimmt Verantwortung für das Miteinander in unserer Stadt.“
„Gerade in einer Zeit, in der Vereinsleben und ehrenamtliches Engagement vielerorts vor großen Herausforderungen stehen, sind Vereine wie die Karnevalgesellschaft „Die Pääreschwänze“ wichtiger denn je“, so Klaus-Ludwig Fess, Präsident des „Bundes Deutscher Karneval“. „Der Karneval verbindet Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebenswege. Er schafft Gemeinschaft, vermittelt Heimatgefühl und eröffnet Räume für Begegnung und gegenseitiges Verständnis.“ Auch gesellschaftlich komme Vereinen dabei eine wichtige Bedeutung zu. „Wo Menschen gemeinsam anpacken, Verantwortung übernehmen und sich füreinander engagieren, entstehen Zusammenhalt und gelebte Gemeinschaft. Der Karneval steht dabei für Lebensfreude, Offenheit, Toleranz und ein respektvolles Miteinander“, so der BDK-Präsident wörtlich. Heiko Rudolph hebt als Präsident des „Karneval-Verbandes Kurhessen“ das soziale Engagement heraus, etwa für Menschen mit Behinderung „und die Förderung karnevalistischen Brauchtums. Durch das vielfältige, zeitgemäße, aber vor allem traditionelle Programm ist es den Päareschwänze gelungen ein ausgewogenes Vereinsfundament zu schaffen.“




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